Warum reden alle, aber niemand hört zu? Die Neurowissenschaft zeigt: Sprechen aktiviert dieselben Gehirnareale wie Essen oder Geld - deshalb dominieren wir Gespräche so gern.
Theoretische Grundlagen des aktiven Zuhörens
Begriffsbestimmung und historische Entwicklung
Das aktive Zuhören wurde maßgeblich von dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers in den vierziger und fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt und bildet das Herzstück der personenzentrierten Gesprächspsychotherapie. Rogers definierte aktives Zuhören als eine "gefühlsbetonte Reaktion eines Gesprächspartners auf die Botschaft eines Sprechers", die weit über das reine Hören von Worten hinausgeht und sowohl die emotionale als auch die kognitive Ebene der Kommunikation miteinbezieht.
Die theoretischen Wurzeln des aktiven Zuhörens liegen in Rogers' humanistischem Menschenbild, das von drei fundamentalen therapeutischen Grundhaltungen geprägt ist. Empathie beschreibt das einfühlende Verstehen der inneren Welt des Gesprächspartners, ohne dabei die eigene Perspektive zu verlieren. Kongruenz meint die Authentizität und Echtheit in der zwischenmenschlichen Begegnung, bei der der Zuhörende mit seinen eigenen Gefühlen und Reaktionen in Kontakt bleibt. Die unbedingte positive Wertschätzung schließlich bezeichnet die vollständige Akzeptanz des Gegenübers ohne Bewertung oder Verurteilung seiner Aussagen oder Gefühle.
Rogers' Ansatz revolutionierte die damalige Psychotherapie, die stark von direktiven und interpretierenden Methoden geprägt war. Seine Überzeugung, dass Menschen über die inhärente Fähigkeit zur Selbstregulation und Problemlösung verfügen, wenn sie sich verstanden und akzeptiert fühlen, führte zur Entwicklung einer völlig neuen Gesprächsführung. Diese basiert darauf, dem Sprecher durch aktives Zuhören zu helfen, seine eigenen Lösungen zu finden, anstatt ihm vorgefertigte Antworten zu präsentieren.