„Wie skalieren Sie Compliance und Agilität in der E-Mobilität? Hybride Frameworks aus VDA 4965 und SAFe verbinden Prozessstrenge mit iterativer Innovation. Welche Erfahrungen haben Sie mit hybriden PLM-Systemen? Diskutieren wir die Zukunft agiler Qualitätsstandards!
Die Entwicklung elektrischer Fahrzeuge erfordert eine nie dagewesene Integration von mechanischer Ingenieurskunst, Softwarekompetenz und regulatorischer Compliance. Während traditionelle Standards wie der VDA 4965 für Engineering Change Management (ECM) strukturierte Prozesse bieten, stoßen sie bei agilen Anforderungen an Grenzen. Das Scaled Agile Framework (SAFe) wiederum skaliert agile Methoden für große Teams, fehlt jedoch oft der Anschluss an branchenspezifische Qualitätsvorgaben. Hybride Frameworks, die VDA 4965 mit SAFe kombinieren, bieten hier eine Lösung: Sie verbinden die mechanische Präzision des ECM mit der Adaptivität agiler Release Trains – und ermöglichen so skalierbare Produktentwicklungen für E-Mobilität.
Synergien: SAFe-Program Increments ergänzen ECM-SCOPE/CORE
Der VDA 4965 definiert ECM-Prozesse als lineare Aktivitätsketten, die Änderungen von der Initiierung bis zur Serienfreigabe steuern. SAFe hingegen unterteilt die Arbeit in Program Increments (PIs) – rhythmische Zyklen von 8–12 Wochen, in denen cross-funktionale Teams inkrementell Wert liefern. Die Integration beider Ansätze schafft einen hybriden Workflow:
- PI Planning als Brücke: In der PI-Planungsphase werden ECM-Aktivitäten wie „Change Classification“ oder „Implementation“ in Sprints unterteilt. Ein Automobilzulieferer konnte so die Durchlaufzeit für Änderungsanträge (ECRs) von 28 auf 14 Tage halbieren, indem er VDA-Phasen als SAFe-Sprints behandelte [ILC GmbH, 2024].
- Feedbackschleifen: Daily Stand-ups und Sprint-Reviews ergänzen die IDEF0-basierten Workflows des ECM. Bei der Implementierung eines E-Antriebs nutzte ein OEM Retrospektiven, um Schnittstellenprobleme zwischen Batterieentwicklung und Produktionsplanung früh zu identifizieren – ein klassisches Silo-Risiko in linearen ECM-Prozessen [Schiersmann/Thiel, 2014].
Diese Synergie löst ein Kernproblem: ECM-Prozesse, die laut VDA 4965 „Änderungen dokumentieren und kontrollieren“ [Verband der Automobilindustrie, 2010b], gewinnen durch SAFe die Fähigkeit, auf Marktänderungen – wie neue Ladevorschriften – iterativ zu reagieren.
Compliance: APQP-Zyklen harmonisieren mit SAFe-Release Trains
Advanced Product Quality Planning (APQP) ist in der Automobilindustrie unverzichtbar, um Qualität von der Konzeption bis zur Serienreife sicherzustellen. Die Herausforderung liegt in der Synchronisation mit SAFe-Release Trains:
- Phase 2 (Produktdesign) meets PI Objectives: Ein Hersteller von E-Motoren integrierte Design-FMEAs direkt in SAFe-Sprints. Durch wöchentliche „Compliance Syncs“ zwischen PLM-Experten und Agile Teams wurden RoHS-Konflikte bei Seltenen Erden bereits im Prototyping gelöst – statt im teuren Nachgang [QAD, 2023].
- Validierung in PI System Demos: Die APQP-Phase 4 (Prozessvalidierung) wurde in SAFe’s Inspect & Adapt-Events eingebettet. Ein Zulieferer demonstrierte hier erstmals PPAP-Dokumente (Production Part Approval Process) parallel zum funktionalen Inkrement, was Audit-Zeiten um 30 % reduzierte [Ingenics, 2023].
Die Harmonisierung zeigt: SAFe’s Fokus auf „Business Value“ [Harbinger Group, 2025] und APQPs präventive Qualitätslogik sind keine Gegensätze. Vielmehr nutzt das hybride Framework SAFe-Release Trains, um APQP-Aktivitäten wie Kapazitätsplanung oder Fehlerbaumanalysen in den agilen Rhythmus zu übersetzen.