MODUL 1: Die wichtigste Kennzahl ist Bullshit – Wenn Messung und Wohlstand auseinanderklaffen
Produktivität ist die wichtigste Wirtschaftskennzahl. Regierungen leben und sterben an ihr. Zentralbanken richten ihre Politik danach aus. Unternehmen optimieren für sie. Ökonomen predigen sie.
Produktivität ist Bullshit. Beides ist wahr. Eine Mutter erzieht zwei Kinder zu Hause. Füttert sie. Tröstet sie. Bringt ihnen Lesen bei. Vermittelt Werte. Formt Menschen. Ihr Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt: Null Euro. Ihre Produktivität: Null. Nebenan: Eine Kita-Erzieherin betreut zwei Kinder. Macht dasselbe. Füttert. Tröstet. Bildet. Ihr Beitrag zum BIP: 35.000 Euro pro Jahr. Ihre Produktivität: Messbar. Zählbar. Relevant. Gleiche Arbeit. Gleicher Output. Unterschiedliche Sichtbarkeit. Wikipedia hat 60 Millionen Artikel. In 330 Sprachen. Kostenlos. Geschrieben von Millionen Freiwilligen. Jeder kann darauf zugreifen. Weltweit. Jederzeit. Der Beitrag zum BIP: Null Euro. Die Encyclopaedia Britannica – tot seit 2012 – verkaufte ihre letzte Ausgabe für 1.500 Euro. BIP-Beitrag: 1.500 Euro. Produktivität: Messbar. Mehr Wert. Weniger Produktivität. BMW lagert Motorenproduktion nach Ungarn. Deutsche Statistik registriert: Output sinkt. Weniger Motoren produziert in Deutschland. Produktivität: Sinkt. BMW-Bilanz zeigt: Gewinn steigt. Produktion günstiger. Margen besser. Wer hat recht? Die Statistik oder die Bilanz? Diese drei Beispiele zeigen: Produktivität misst nicht, was Wohlstand schafft. Sie misst, was verkauft wird. Sie misst Marktproduktion. Nicht Wohlfahrt. Nicht Lebensqualität. Nicht realen Wert. Die Produktivitätskrise – beschrieben in Artikel 1 und 2 dieser Serie – könnte ein Artefakt sein. Ein Messartefakt. Wir messen mit einem Werkzeug aus dem 20. Jahrhundert. Optimiert für Fabriken. Für Massenproduktion. Für materielle Güter. Aber wir leben im 21. Jahrhundert. Digitale Güter sind kostenlos. Care-Arbeit ist unbezahlt. Globale Wertschöpfungsketten sind unsichtbar. Dieser Artikel stellt drei radikale Fragen: Erstens: Messen wir überhaupt das Richtige? Erfasst BIP pro Arbeitsstunde tatsächlich Wohlstand? Oder nur einen winzigen Ausschnitt davon? Zweitens: Ist Produktivität ein politisch neutrales Datum? Oder ist sie konstruiert? Und wenn konstruiert – wer profitiert von dieser Konstruktion? Drittens: Wenn Produktivität das falsche Maß ist – was wäre das richtige? Gibt es Alternativen? Funktionieren sie? Die Antworten sind unbequem. Sie stellen infrage, was Wirtschaftspolitik seit 70 Jahren treibt. Sie zeigen: "Deutschland ist unproduktiv" ist keine neutrale Beschreibung. Es ist eine politische Aussage. Mit Gewinnern. Und Verlierern. Die Frage ist nicht nur: Wie wird Deutschland produktiver? Die Frage ist: Sollte Deutschland überhaupt produktiver werden wollen?
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