1. Einleitung
Das internationale Handelssystem durchläuft gegenwärtig einen fundamentalen Wandel. Nach Jahrzehnten progressiver Handelsliberalisierung und institutioneller Integration zeigen sich seit der globalen Finanzkrise 2008/2009 zunehmend Tendenzen einer strukturellen Neuordnung globaler Wirtschaftsbeziehungen. Diese Transformationsprozesse manifestieren sich in veränderten handelspolitischen Instrumentarien, institutionellen Rekonfigurationen und neuen wirtschaftlichen Interdependenzen (Evenett und Fritz, 2023).
Die vorliegende Analyse untersucht diese Veränderungsprozesse aus einer soziologisch-institutionellen Perspektive. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich die Transformation des internationalen Handelssystems strukturell vollzieht und welche sozialen und institutionellen Dynamiken diesem Wandel zugrunde liegen. Drei zentrale Forschungsfragen leiten die Untersuchung:
- Welche strukturellen Veränderungen kennzeichnen die gegenwärtige Transformation des internationalen Handelssystems?
- Wie reagieren wirtschaftliche und politische Akteure auf diese Veränderungen?
- Welche institutionellen Rekonfigurationen resultieren aus diesen Anpassungsprozessen?
Methodisch kombiniert die Studie eine quantitative Analyse handelspolitischer Maßnahmen und Handelsströme mit qualitativen Fallstudien zu institutionellen Veränderungsprozessen. Dieser Methodenmix erlaubt es, sowohl strukturelle Muster zu identifizieren als auch tiefergehende Einblicke in die zugrundeliegenden sozialen Mechanismen zu gewinnen. Die Datengrundlage bilden die Global Trade Alert Database, WTO-Handelsstatistiken sowie Primärquellen handelspolitischer Dokumente aus den USA, der EU und China.