Wem gehört deine Zeit?

1918 erzwang eine Revolution den Achtstundentag. 1984 erkämpften Metaller die 35-Stunden-Woche. 2026 soll beides fallen. Eine soziologische und berufspädagogische Spurensuche.

Geschrieben von
21 Minuten Lesezeit
Wem gehört deine Zeit?

Cover
Lädt...
0:00 14:15

72 Stunden, 35 Stunden, zurück auf Null?

72 Stunden pro Woche. Sechs Tage, zwölf Stunden am Tag. Kinder ab sechs Jahren an der Maschine. Das war Deutschland vor 150 Jahren.

Dann kam der Achtstundentag. Erkämpft in einer Revolution. Verteidigt in Streiks. Verankert im Gesetz. Über hundert Jahre lang galt er als unantastbar.

Jetzt soll er fallen.

Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD aus dem April 2025 plant die größte Reform des Arbeitszeitrechts seit 1994. Die tägliche Höchstarbeitszeit soll durch eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden ersetzt werden. An einzelnen Tagen könnten Beschäftigte künftig zwölf Stunden arbeiten – ohne Ausnahmegenehmigung. Bundeskanzler Merz bringt die Stoßrichtung auf drei Worte: „Wir müssen mehr arbeiten."

Die Gewerkschaften nennen es einen Angriff auf den Gesundheitsschutz. Die Arbeitgeber sprechen von überfälliger Modernisierung. Beide Seiten behaupten, im Interesse der Beschäftigten zu handeln.

Wer hat recht? Die Antwort liegt in der Geschichte.

Dieser Artikel zeichnet die Entwicklung der Arbeitszeit in Deutschland nach. Von den entgrenzten Fabrikhallen der Industrialisierung über die revolutionäre Erkämpfung des Achtstundentags 1918. Vom legendären Streik für die 35-Stunden-Woche 1984 bis zur aktuellen Debatte um das Ende der täglichen Arbeitszeitgrenze. Die Betrachtung erfolgt aus soziologischer und berufspädagogischer Perspektive. Denn die Arbeitszeitfrage ist keine technische Größe. Sie ist eine Machtfrage. Eine Bildungsfrage. Eine Frage der Demokratie.

Die zentrale These: Arbeitszeitverkürzung war nie ein Geschenk der Arbeitgeber. Sie wurde erzwungen – durch Organisierung, durch Streiks, durch politischen Druck. Und die Geschichte zeigt: Was erkämpft wurde, kann auch wieder genommen werden. Fortschritt ist keine Einbahnstraße.

Wer die aktuelle Debatte verstehen will, muss ihre Tiefenstruktur kennen. Die Argumente der Gegenseite sind verblüffend konstant geblieben – von Weimar bis heute. Diesen roten Faden macht der Artikel sichtbar.

Dieser Beitrag ist nur für Abonnenten

Registriere dich jetzt, um den Beitrag zu lesen und Zugriff auf die vollständige Bibliothek der Beiträge nur für Abonnenten zu erhalten.

Jetzt registrieren Hast du bereits ein Konto? Anmelden
Empfohlene Artikel

Resilienz als therapeutisches Regime: Wie Glücksdiktat und Anpassungsrhetorik toxische Arbeitskulturen stabilisieren

⸱ 34 Minuten Lesezeit

Aktives Zuhören und strategische Nachfragen - Die wissenschaftliche Basis erfolgreicher Kommunikation

⸱ 20 Minuten Lesezeit

Im Takt von Mensch und Maschine: Generative KI (GenAI) und eine neue Innovationslogik agiler Teams

⸱ 16 Minuten Lesezeit

Neue Wege der Werbung: Influencer Marketing am Beispiel der Deutschen Bahn AG

⸱ 22 Minuten Lesezeit

KUKA2ME – Neu gedacht, grenzenlos, für alle

Wir haben KUKA2ME auf ein neues Level gehoben: selbst gehostet auf EU-Servern, vollständig DSGVO-konform und technisch unabhängig.

✨ Neu bei KUKA2ME:

Unsere Mission: kūkākūkā me a'u – diskutieren mit mir. Wir bauen Brücken zwischen Wissenschaft und Alltag, weltweit.

Unser Versprechen: Inhaltlich unabhängig, frei von Display-Werbung. Affiliate-Links zu empfohlenen Büchern helfen uns, diese Plattform zu finanzieren.

/* footer optimierung