Vom Wohlbefinden zur Bewegung: Langzeiteffekte von Youth Empowerment Programs auf kollektive Agency und systemische Transformation

Youth Empowerment Programs zeigen starke kurzfristige Effekte auf individuelles Wohlbefinden. Die Transformation zu nachhaltigem civic engagement erfordert jedoch kritisches Bewusstsein als Brücke zwischen persönlichem und politischem Empowerment sowie strukturelle Bewegungsverbindungen.

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Vom Wohlbefinden zur Bewegung: Langzeiteffekte von Youth Empowerment Programs auf kollektive Agency und systemische Transformation
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I. Einleitung

Globale Herausforderungen wie Klimakrise, soziale Ungleichheiten und demokratische Erosion erfordern engaged, empowered youth als Akteure systemischer Veränderung (Ballard et al., 2020). Youth Empowerment Programs haben sich als wirksame Interventionen etabliert, die kurzfristig akademische Leistungen verbessern, Gesundheitsverhalten fördern und Gewalt reduzieren (Zimmerman et al., 2018). Ein fundamentales Paradoxon kennzeichnet jedoch die Empowerment-Forschung: Während die unmittelbaren individuellen Effekte gut dokumentiert sind, bleiben Langzeitwirkungen auf civic engagement und social movement participation systematisch untererforscht (IYF Global, 2024). Zwei theoretische Traditionen existieren weitgehend unverbunden: Die psychologische Tradition fokussiert auf individuelles Wohlbefinden durch Selbstwirksamkeit und Kompetenzentwicklung, während die soziale Bewegungstradition kollektive Macht und politische Transformation betont (Zimmerman, 1995; Freire, 1970).

Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Langzeiteffekte zeigen Youth Empowerment Programs auf civic engagement und social movement participation, unter welchen Bedingungen transformiert sich persönliches Empowerment in kollektive Agency, und welche Mechanismen vermitteln diese Transformation? Diese Untersuchung postuliert, dass YEP-Effekte dualer Natur sind und sich nur unter spezifischen Bedingungen von individuellem Wohlbefinden zu Bewegungsbeteiligung transformieren (Ozer & Schotland, 2011). Die kritische Bedingung dieser Transformation ist die Entwicklung kritischen Bewusstseins im Sinne Freires, das als Brücke zwischen psychologischem und politischem Empowerment fungiert (Freire, 1970). Ohne diese conscientization-Komponente produzieren YEP primär individuelle Anpassungsstrategien statt kollektive Veränderungsbestrebungen.

Die praktische und theoretische Bedeutung dieser Analyse liegt darin, dass sie zwei bislang fragmentierte Forschungstraditionen integriert und konkrete Implikationen für YEP-Design entwickelt, die über reine Wellbeing-Interventionen hinausgehen (Zimmerman et al., 2022). Wenn YEP systematisch kritisches Bewusstsein kultivieren und Bewegungsverbindungen etablieren, können sie nicht nur individuelles Flourishing fördern, sondern auch demokratische Kapazitäten für systemischen Wandel aufbauen (Ballard et al., 2020). Diese Perspektive ist besonders relevant für strukturell benachteiligte Jugendliche, deren Empowerment nicht nur persönliche Resilienz, sondern auch kollektive Macht zur Transformation ungerechter Strukturen erfordert.

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